Marine-Luftschiffhafen Tondern
(Marine Luftskibsplads Tønder)

Übersicht über die wichtigsten Ereignisse auf der ehemaligen Luftschiffbasis

16. September 1914:
Das Reichsmarineamt (RMA) legt einen Vorschlag zur Errichtung weiterer Luftschiffhäfen im norddeutschen Raum vor. Man entschied sich für das im Festungsbereich Sylt liegende Tondern. Unmittelbar danach begannen die Arbeiten zum Aufbau eines Luftschiffhafens.

Oktober 1914:
Anlieferung von Material für die Luftschiffhallen; Aufbau der Luftschiffhallen.

15. November 1914:
Einrichtung des V. Marine-Luftschiff-Detachements (5. Marine-Luftschifftrupp) in Tondern. Es ist der Marineluftschiff-Abteilung in Nordholz unterstellt.

20. November 1914:
Der Zeppelin L7 (LZ 32) absolviert seine Jungfernfahrt. Nur 4 Tage später wird er von der Marine übernommen.

16. Dezember 1914:
Luftschiffshalle “MARINE” ist für die Notbelegung einsatzbereit.

18. Januar 1915:
Erster von einem Zeppelin geführter Angriff auf England.

Anfang Februar 1915:
Beginn des Aufbaus der neuen Doppelhalle für alle damaligen Luftschiffvarianten. Bereits Mitte Februar soll sie für die Notbelegung zur Verfügung stehen.

16. Februar 1915:
Luftschiffshalle “JOACHIM” ist für Notbelegung bereit. Beide notbelegungsfähigen Hallen waren für die Aufnahme der Zeppeline L3 und L4 bereit.

19. Februar 1915:
Luftschiffshalle MARINE wird fertiggestellt und “einsatzklar” gemeldet.

21. März 1915:
Luftschiffshalle JOACHIM wird fertiggestellt und “einsatzklar” gemeldet.

23. März 1915:
Das erste Luftschiff in Tondern: Parseval PL 25 wird von der Marine übernommen und nach Tondern verlegt. PL 25 wird in der Halle MARINE untergebracht.

26. März 1915:
Die Hallen MARINE und JOACHIM werden technisch abgenommen.

23. April 1916:
Der Fischdampfer “King Stephen” wird vom deutschen Torpedoboot G41 aufgebracht, die Besatzung gefangen genommen und der Dampfer versenkt.

25. April 1915:
Der erste Zeppelin in Tondern: L7 unter dem Kommando von Oberleutnant Werner Peterson landet in Tondern. L7 wird in der Halle JOACHIM untergebracht.

10. September 1915:
Die Doppelhalle “TOSKA” kann für Notbelegung eingesetzt werden.

31. Oktober 1915:
Erweiterung des Luftschiffhafens in nördliche Richtung. Der Bau des Gaswerks zur Versorgung der Luftschiffe mit Wasserstoffgas beginnt.

04. November 1915:
PL 25 wird nach Fuhlsbüttel bei Hamburg verlegt.

09. November 1915:
Die Hallen MARINE und JOACHIM werden in “TOBIAS” und “TONI” umbenannt, um den Luftschiffhafen anhand der Hallennamen identifizieren zu können (die ersten zwei Buchstaben “TO” stehen für Tondern)

16. November 1915:
Der erste Zeppelin in der Doppelhalle TOSKA: L18 zieht in der provisorisch nutzbaren Halle unter. Bereits am selben Tag kommt es zu einem Unfall beim Gasnachfüllen; L18 verbrennt vollständig. Dabei fand ein Marineluftschiffer den Tod; sieben weitere wurden leicht verletzt.

17. Januar 1916:
Nach erfolgter Verlängerung wird TOSKA fertiggestellt.

18. Januar 1916:
L20 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Stabbert trifft in Tondern ein und zieht in TOSKA unter.

31. Januar - 01. Februar 1916:
L20 und L19 aus Tondern nehmen an einem Geschaderangriff gegen England teil. Während L20 wohlbehalten nach Tondern zurückkehrt, geht L19 verloren.

02. Februar 1916:
Der Fischdampfer “King Stephen” verläßt den Havarieort von L19 ohne Hilfe zu leisten. Die Besatzung von L19 findet daraufhin den tragischen Tod in den Fluten der Nordsee.

März 1916:
L22 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Martin Diedrich kommt in Tondern an. Kurze Zeit später wird L22 nach Nordholz verlegt.

25. März 1916:
Ein englischer Luftangriff mit zwei Sopwith Baby und drei Short 184 von der H.M.S. Vindex gegen den Luftschiffhafen schlägt fehl, da die genaue Lage des Luftschiffbasis nicht bekannt ist. Nur zwei der fünf Piloten kehren zur H.M.S. Vindex zurück.

30. März 1916:
Nach 15 Monaten Dienstzeit wird PL 25 außer Dienst gestellt und in der Siemens-Halle Biesdorf abgerüstet.

01. April 1916:
Die Belegungsstärke des Luftschiffhafens beträgt jetzt 14 Offiziere und 574 Mannschaftsdienstgrade

05. April 1916:
L21 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Max Diedrich und L30 unter dem Kommando von Oberleutnant z. See Friemel treffen in Tondern ein.

06. April 1916:
L20 kehrt nach kurzem Aufenthalt in Seddin nach Tondern zurück.

08. April 1916:
Die Erprobung von L23 wird aufgenommen.

16. April 1916:
L21 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Max Diedrich wird nach Nordholz verlegt.

17. April 1916:
Nach der Rückverlegung von Nordholz stößt L22 beim Aushallen aus TOSKA wegen starker Seitenwinde gegen ein Hallentor, wobei seine Frontpartie stark beschädigt wird.

03. Mai 1916:
Wegen Treibstoffmangels muß L20 bei Stavanger/Norwegen auf die Nordsee niedergehen. Die Besatzung wird in Norwegen interniert. Stabbert gelingt 6 Monate später eine abenteuerliche Flucht nach Deustchland.

04. Mai 1916:
L7 muß während der Rückfahrt von einem Bombenangriff nach Flakbeschuß auf der Nordsee notlanden. Nach direktem Beschuß durch das englische U-Boot E31 wird er vernichtet. 11 Luftschiffer finden den Tod; die 7 Überlebenden werden englische Kriegesgefangene.

Ein erneuter englischer Luftangriff mit 11 Sopwith Baby Jagdflugzeugen, gestartet von den Flugzeugmutterschiffen H.M.S. Vindex und H.M.S. Engadine, schlägt fehl. Ein Pilot kann die Zeppelinbasis erreichen, richtet jedoch mit seiner 30-kg-Bombe keinen Schaden an. Somit ist den Engländern aber die Lage des Luftschiffhafens bekannt.

20. Mai 1916
L24 führte seine erste Fahrt unter dem Kommando von Kapitänleutnant Koch durch.

02. Juli 1916:
L9 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Ganzel trifft in Tondern ein.

August 1916:
Eine Flaschenpost mit den letzten Nachrichten der Besatzung von L19 wird an der schwedischen Kattegatküste nahe Göteborg aus dem Wasser gefischt.

17. August 1915
L17 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Ehrlich landet in Tondern.

03. August 1916:
L9 wird nach Seddin (Baltikum) verlegt, um über der Ostsee eingesetzt zu werden.

September 1916:
Ein weiterer Gasbehälter mit einer Lagerkapazität von 30.000 cbm Gas wird fertiggestellt.

16. September 1916:
Während eines Unfalls beim Gasnachfüllen verbrennen L6 und der zurückverlegte L9 in der Halle in Fuhlsbüttel bei Hamburg.

09. November 1916:
L23 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Bockholt trifft in Tondern ein.

28. November 1916:
L23, inzwischen unter dem Kommando von Oberleutnant z. See Frankenberg, wird bei einem Englandangriff nahe Lowetoft abgeschossen. Niemand überlebt den Angriff.

28. Dezember 1916:
L24, inzwischen unter dem Kommando von Oberleutnant z. See Friemel, stößt beim Einfahren in TOSKA gegen eine gezündete elektrische Glühbirne, fängt Feuer und entzündet dabei auch den daneben liegenden L17. Beide Zeppeline verbrennen vollständig.

1917:
Die Hallenschutzstaffel wird aufgrund zunehmender Unfälle beim Landen und Starten der Flugzeuge aufgelöst.

Alle Heeresluftschiffe werden der Marine übereignet, da Luftschiffe im Landkrieg zu verwundbar sind.

08. März 1917:
Der Schöpfer der deutschen Zeppeline, Ferdinand Graf von Zeppelin (geb. am 08. Juli 1838), stirbt im Alter von 79 Jahren in Berlin-Charlottenburg.

Mai 1917:
L37 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Proells landet in Tondern.

02. Mai 1917:
L30, inzwischen unter dem Kommando von Oberleutnant z. See Boedecker, wird verlegt.

14. Mai 1917:
L22 wird während einer Aufklärungsfahrt von einem Curtiss H-12F-Flugboot abgeschossen. Niemand der 21 Besatzungsmitglieder überlebt den Abschuß.

28. Juni 1917:
L 37, seit dem 01. Juni unter dem Kommano von Kapitänleutnant Gärtner, wird nach Seddin verlegt. L37 erweist sich aufgrund einiger Konstruktionsmängel nicht voll einsatzfähig. Möglicherweise werden für den Einsatz über der Ostsee einige Verstärkungen an der Struktur vorgenommen.

21. August 1917:
L23, mittlerweile unter dem Kommando von Oberleutnant z. See Dinter, wird in der Nähe von Lyngvig von einem englischen Sopwith Pub Jäger abgeschossen. Niemand überlebt den Absturz.

19. Oktober 1917
L45 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Kölle und L54 unter dem Kommando von Kapitänleutnant v. Buttlar-Brandenfels aus Tondern nehmen am Englandangriff “Silent Raid” teil. L45 gerätt dabei in einen schweren Sturm und muß in Frankreich bei Sisteron notlanden. Die Besatzung zerstört den Zeppelin und wird gefangen genommen.

17. November 1917:
L30 wird in Seerappen außer Dienst gestellt

1918:
Die Halle TONI wird abgerissen und als Nothalle auf Sylt wieder aufgebaut (?).

13. März 1918:
L54 nimmt an einem Geschwaderangriff gegen die Batterien Spurn Head und Grimsby teil.

09. April 1918:
Kapitänleutnant Horst Treusch Freiherr v. Buttlar-Brandenfels erhält für seinen hervorragenden Einsatz für Vaterland und Besatzung nach dem Geschwaderangriff gegen die Batterien Spurn Head und Grimsby den “Pour le Mérite” verliehen. Er sollte der einzige aktive Luftschiffkommandant des ersten Weltkriegs bleiben, der diese hohe Auszeichnung erhielt.

13. April 1918:
L60 nimmt an einem Geschwaderangriff gegen Hull und Grimsby teil.

Mitte Juni 1918:
Ein weiterer englischer Angriff auf die Luftschiffbasis sollte erfolgen. Die H.M.S. Furious befand sich unter dem Schutz von vier Zerstörern im Seegebiet von Horns Riff, als sie von Lister Seeflugzeugen während eines Aufklärungsfluges entdeckt und mit Bomben angegriffen wurde. Bei dem Angriff auf den Flottenverband ging ein deutsches Flugzeug verloren. Die Besatzung wurde gerettet und kam in englische Gefangenschaft. Da das Überraschungsmoment damit nicht mehr gegeben war, wurde der Angriff abgebrochen.

27. Juni 1918:
An diesem Tag waren nicht weniger als 18 Einheiten der englischen Flotte auf See, um den Luftschiffhafen anzugreifen. Aufgrund des schlechten Wetters kam aber wieder kein Angriff zustande.

19. Juli 1918:
Sieben Sopwith Camel Jäger von der H.M.S. Furious greifen den Luftschiffhafen an. Leutnant Yewlett findet bei diesem Angriff den Tod. Durch Bomben auf TOSKA verbrennen L54 und L60 vollständig.  Danach ist der Luftschiffhafen nur noch für die Notbelegung nutzbar.

November 1918:
Einstellung aller Kampfhandlungen mit dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches. Der Kaiser flieht nach Holland. Deutschland unterschreibt den Waffenstillstand.

19. Januar 1919:
Der Versailler Vertrag mit dem Schleswig-Artikel tritt in Kraft. Einen Tag später übernimmt die CIS (Commission Internationale Slesvig) die Verwaltung Nordschleswigs. Deutsche Truppen müssen das Gebiet räumen. Die Volksabstimmung wird vorbereitet.

10. Februar 1920:
Volksabstimmung in Zone 1.

14. März 1920:
Volksabstimmung in Zone 2.

15. Juni 1920:
Nordschleswig mit der ehemaligen Kreisstadt Tondern wird mit Dänemark wiedervereinigt. Der Kreis Tondern wird zerschnitten. Südtondern verbleibt beim deutschen Reich. Niebüll wird Kreisstadt.

Das 2. Bataillon/Tondern übernimmt den ehemaligen deutschen Luftschiffhafen.
Auch der Flugbetrieb wird wieder aufgenommen. Aufgrund von zunehmenden Unfällen wird dieser später jedoch auch wieder eingestellt.

L30 wird zerlegt und als Reparationsleistung an Belgien geliefert. Da man dort einen so großen Zeppelin nicht unterbringen konnte wurde er demontiert. Teile von L30 befinden sich heute im Musée de l´Air in Brüssel.

1921:
Die Halle TOBIAS wird abgerissen.

1922:
Die Halle TOSKA wird abgerissen.

09. April 1940:
Im Fall “Weserübung” wird Dänemark von der Deutschen Wehrmacht kampflos besetzt. Der ehemalige Luftschiffhafen wird Feldflugplatz der deutschen Luftwaffe.

08./09. Mai 1945:
Durch die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunden wird der II. Weltkrieg beendet. Die deutschen Soldaten legen ihre Waffen ab und verlassen als Gefangene Dänemark.

1950:
Das Gebiet des ehemaligen deutschen Luftschiffhafens wird wieder militärisches Sperrgebiet.

Zeppelin

Stand:
März 2002