Die Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Dänemark im Jahre 1920 und ihre Vorgeschichte

Schleswig, Holstein und Lauenburg vor 1864

Im Jahre 1460 wählten die Mächtigen aus Schleswig und Holstein den dänischen König Christian I. in Ripen (heute: Ribe) zu ihrem gemeinsamen Oberhaupt. Als Gegenleistung mußte Christian versprechen, daß Schleswig und Holstein "Up ewich ungedeelt" bleiben sollten. Der damals geschlossene Vertrag ist als Schwur von Ripen in die Geschichte eingegangen. Das Original mit seinen 18 Siegeln ist im Landesarchiv in Schleswig-Holstein erhalten.

Vertrag von Ripen
                                                  Der Vertrag von Ripen


Im Zuge der stärker werdenden Nationalbewegungen wurde die Stellung der Herzogtümer innerhalb der dänischen Monarchie bis 1864 zu einer zentralen Frage. Etwa ein Drittel der Bevölkerung der Monarchie war deutsch. Holstein und Lauenburg waren Mitglieder des Deutschen Bundes, während Schleswig national geteilt war. Die entscheidende Frage der Zugehörigkeit Schleswigs wurde 1848 akut, als die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner eine freie Verfassung und Schleswigs Aufnahme in den Deutschen Bund forderten. Auf der anderen Seite forderten liberale Kreise in Kopenhagen eine demokratische Verfassung für das Königreich und eine Eingliederung Schleswigs, was zu einem alten Versprechen der ewigen Zusammengehörigkeit der Herzogtümer im Widerspruch (Vertrag von Ripen) stand. Dies löste einen Aufruhr in den Herzogtümern aus, gerade als Frederik VII. sich in Kopenhagen zum konstitutionellen Monarchen erklärte und damit den Weg für eine demokratische Verfassung frei gemacht hatte, die in der Dänischen Reichsverfassung vom 5. Juni 1849 festgeschrieben wurde. Die Folge war der Dreijährige Krieg (1848-1851), der mit einem dänischen Sieg endete, und zwar in dem Sinne, daß die Herzogtümer nach der Schlichtung durch die Großmächte im dänischen Gesamtstaat verblieben, ohne daß man jedoch eine zufriedenstellende Lösung für den grundlegenden Konflikt gefunden hatte. 1863 verabschiedete der Dänische Reichstag die Novemberverfassung, durch die Holstein und Lauenburg de facto aus dem Reich ausgegliedert wurden, Schleswig dagegen eingegliedert wurde, was einen eindeutigen Bruch der Abkommen mit den Großmächten bedeutete. Daraufhin erklärte der preußische Kanzler Otto von Bismarck im Namen des Deutschen Bundes Dänemark den Krieg.

Der Deutsch Dänische Krieg

Das Ergebnis war eine Niederlage Dänemarks 1864 und die Abtretung aller drei Herzogtümer an Preußen. Damit hatte das Königreich wiederum rund ein Drittel seines Territoriums und seiner Bevölkerung eingebüßt. Gleichzeitig verblieben etwa 200.000 Dänen südlich der neuen Grenze. Im §5 des Friedensvertrags wurde auf Napoleon III. Veranlassung eine Bestimmung hinzugefügt, die besagte, daß "die Bevölkerung in den nördlichen Bezirken von Schleswig an Dänemark abgegeben werden sollen, wenn sie in einer freien Abstimmung diesen Wunsch zur Kenntnis geben". Diese Bestimmung wurde allerdings nie in die Tat umgesetzt und 1879 wurde sie aus dem Vertrag gestrichen. 1878 wurde auch die Nordschleswig-Klausel im preußisch-österreichischen Vertrag von Gastein annulliert.

Die Zeit nach 1864

In 56 Jahren, bis 1920, war das jetzige Sydjyland unter deutscher Herrschaft, was eine harte Zeit für die vielen Dänischgesinnten in der Umgebung bedeutet hatte. Teils sah man nicht viele Chancen "nach Hause nach Dänemark" zu kommen, andererseits setzte man von deutscher Seite mit einer ausgeprägten Verdeutschung der Region zu. Alle Administratoren wurden auf deutsch von deutschen Beamten ausgeführt. Der gesamte Schulunterricht sollte auf Deutsch erteilt werden, abgesehen von einigen wenigen Religionsstunden. Bürger wurden aufgrund dänisch-nationalen Wirkens eingesperrt. Nach den ersten dunklen Jahren und einem markanten Rückgang der dänischen Stimmenzahl nach 1864 - viele junge Dänischgesinnte waren nach Dänemark geflüchtet oder nach Amerika ausgewandert, um den deutschen Militärdienst zu umgehen - begann die dänische Arbeit, sich zu formen. Dänischsprachige Zeitungen wurden herausgegeben, dänische Gesichtspunkte wurden sowohl im Landtag und Reichstag durchgesetzt und Jugendvereine und Wählergemeinschaften entstanden. H. P. Hansen wurde nach und nach zum Führer der Dänen; seit 1896 war er Mitglied im preußischen Landtag und seit 1888 maßgeblich am programmatischen und organisatorischen Aufbau der dänischen Bewegung in Nordschleswig beteiligt. Weiterhin  repräsentierte er die Dänen zuerst im Kieler Landtag und von 1906 auch im Reichstag zu Berlin. Zu Hause in Apenrade war er Herausgeber des kleinen, aber einflußreichen Blattes "Hjemdal" (Heimtal). Ein bedeutender Streit, der Kampf um die Erde, ereignete sich um die Jahrhundertwende. In dieser Zeit fing der deutsche Staat an, dänische Höfe aus dem nördlichen Schleswig aufzukaufen und diese als Herrschaftshöfe an Deutschgesinnte zu verteilen. Auf diese Weise hoffte man, das Gebiet verdeutschen zu können und die Erde für deutsche Hände zu richten. Eine entsprechende dänischgerichtete Gegenbewegung kam schnell zustande. Im Jahre 1907 wurde die Grenzziehung von 1864 im deutsch-dänischen Optantenvertrag von Kopenhagen faktisch anerkannt.

Der erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg bedeutete erneut deutsche Unterdrückung der Dänen und eine Ausschreibung von jungen Männern zum deutschen Kriegsdienst. Mehr als 5.000 Dänischgesinnte fielen an der Front. In Schleswig herrschte am Ende des Krieges Not und Hunger. Im Zuge eines vorsichtigen Neutralitätskurses mit deutscher Zustimmung als Folge der Niederlage von 1864 blieb Dänemark im Ersten Weltkrieg aber neutral, und die dänische Wirtschaft verdiente an der Kriegskonjunktur nicht schlecht.

Der Weg nach Versailles

Das Waffenstillstandsangebot des deutschen Reiches an die Alliierten erreicht am 4. Oktober 1918 H. P. Hansen. Er nutzte die Gelegenheit, am 23. Oktober 1918 im Berliner Reichstag die Einlösung des 1866 im Artikel V des Prager Friedens formulierten Artikel über den Nordschleswig betreffenden Abstimmungsvorbehalt zu fordern. Die deutsche Seite bestritt jedoch den positiven Rechtsanspruch auf die Volksabstimmung bezüglich der nordschleswigschen Landesteile. Die Reichsregierung, die aus der Novemberrevolution hervorgegangen war, versprach, das Nationalitätenproblem für die schleswischen Bevölkerungsteile durch eine Abstimmung zu lösen und wies damit weitergehende historisch begründete Ansprüche zurück. Mit den oben genannten Zusicherungen trat Hansen die Rückreise nach Apenrade an. Am 16. und 17. November 1918 fand eine Tagung von Vorstand und Aufsichtsrat des dänischen Wählervereins statt. Dieser erhob die Forderung, Nordschleswig mit der Grenze südlich von Tondern und nördlich von Flensburg verlaufend als Ganzes ("en bloc”) abstimmen zu lassen. Sie beriefen sich dabei auf die Empfehlung H. V. Clausens, die um 1900 gezeichnete Trennungslinie, welche Nordschleswig im Abstimmungsfalle unzweifelhaft an Dänemark fallen ließe ("Clausen-Linie").
Unter Vorsitz von J.C. Paulsen und Andreas Grau tat sich die dänische Bevölkerung südlich der geplanten Abstimmungszone in einem "Mittelschleswiger Ausschuss” zusammen, um auch das Gebiet um Flensburg und Südtondern an Dänemark zu bringen.
Der Chefredakteur Ernst Christiansen erstrebte Ende 1918 mit gleichgesinnten Gruppierungen im dänischen Königreich Eider, Treene und Danewerk als Südgrenze Dänemarks. Die Danewerk-Gruppe erreichte 1919 in Paris vorübergehend die Errichtung einer 3. Abstimmungszone.

Im Herbst 1918 gab es keine deutsche Organisation, der die deutsche Bevölkerung genug vertraute, um den dänischen Plänen entgegenzutreten. Am 31. Oktober 1918 wurde der "Deutsche Ausschuß für das Herzogtum Schleswig” zur Abwendung des drohenden Verlustes Schleswigs gegründet. Die gemischte Zusammensetzung führte jedoch zu politischer Uneinigkeit und Streitigkeiten über Wert und Ausdeutung des Selbstbestimmungsrechtes, welche seine Arbeit bis Frühsommer 1919 lähmten. Erst Dr. A. Köster, seit 1919 Staats- und Reichskommissar in Schleswig-Holstein, gelang es, die verschiedenen Organisationen für Werbe- und Aufklärungsarbeit zusammenzufassen.

Die internationale Kommission für Schleswig (Commission Internationale Slesvig)

Diese Kommission setzte sich zusammen aus dem Engländer Sir Charles Marling, dem Franzosen Paul Claudel sowie auf Wunsch der Alliierten je einen Gesandten der neutralen Mächte Norwegen und Schweden. Die USA verzichteten auf ihren Sitz. Kommissionssekretär wurde der Brite Charles Brudenell Bruce. Die Aufgaben der Kommission waren laut Artikel 109 des Versailler Vertrags die Gewährleistung eines geregelten Fortgangs von Administration und Versorgung nach der Ausweisung des deutschen Militärs und Suspendierung aller Behördenleiter, Arbeiter- und Soldatenräte. Außerdem gehörten die Sicherstellung der Abstimmungen in beiden Zonen, die Stimmenauszählung sowie die Formulierung eines Grenzvorschlages zu den Aufgaben der CIS. Zu Schleswig gehörten damals des Stadtkreis Flensburg und die neun Landkreise Apenrade, Eckernförde, Eiderstedt (Tönning), Flensburg, Hadersleben, Husum, Schleswig, Sonderburg und Tondern.

Die Kommission wurde nach Bekanntgabe der Vertragsbedingungen im Juli 1919 zum Zweck einer raschen Durchführung der Bedingungen eingesetzt. Im August 1919 begann die Vorbereitung auf die Aufgaben in Kopenhagen. Am 24. Januar 1920 traf die Kommission dann zu einer Sitzung in Flensburg ein. Dort wurden dann grundlegende Regelungen für den Abstimmungsverlauf sowie für die Übernahme aller öffentlichen Ämter im Abstimmungsgebiet durch Alliierte erarbeitet. Die Kommission setzte kommissarische Landräte ein und Karl Holm trat am 24. Januar sein Amt als Oberbürgermeister in Flensburg an. Ein wichtiger Berater der Kommission wurde H. P. Hanssen, der mittlerweile zum Ministerpräsidenten Dänemarks ernannt worden war. Der Einfluß des deutschen Emilio Böhme blieb begrenzt.

Auf dem Weg zur Volksabstimmung

In einer so schlechten Zeit wurde die Bevölkerung unserer Heimat aufgerufen, sich für Dänemark oder für Deutschland zu entscheiden. Die Zahl der dänischen Stimmen wuchs, und es wurde immer deutlicher, daß, genau wie während der dänischen Herrschaft nach 1850, das Volk stärker war als der Staat. In der Weimarer Nationalversammlung wurde am 10. Januar 1919 das Wahlrecht für Frauen beschlossen. Am 19. Januar 1919 traten der Versailler Vertrag und damit auch die Schleswig-Artikel in Kraft. Am 12. Januar veröffentlichten die Zeitungen im Abstimmungsgebiet die vorbereitete Proklamation der CIS, in der die Räumung beider Zonen von deutschen Truppen und die Suspendierung eingesetzter Behördenleiter ausschließlich der Wahlbeamten aber einschließlich der preußischen Landräte, bis zum 20. Januar 1920 angekündigt wurde.
Die Besetzung durch die Alliierten verzögerte sich jedoch, da diese erst am 14. Januar zusammen mit dem Generalsekretär der CIS sowie 60 Soldaten in Flensburg eintrafen.
Am 24. Januar 1920 zogen sich die deutschen Truppen aus Flensburg zurück und wurden von französischen und englischen Streitkräften abgelöst. Die CIS sicherte die Versorgung der Bewohner und bildete einen Gerichtshof, der nationalpolitische Übergriffe ahndete. Die Einbindung deutscher und dänischer Berater dämmte diese Übergriffe jedoch ein. Das deutsche Vertrauen in die CIS sank aber, als diese Dr. Todsen aus der Abstimmungszone wies und ein Teilnahmeverbot für Lehrer, Pastoren und Verwaltungskräfte an Versammlungen und Demonstrationen erließ sowie das zeitweilige Verbot des Flensburger Tageblatt und des Flaggens in der 2. Zone durchsetzte.

Die Abstimmungszonen wurden in kleine Abstimmungsbezirke unterteilt.
Stimmberechtigt waren sämtliche vor dem 1. Januar 1900 geborenen Personen, die entweder aus dem Plebiszitgebiet stammten oder dort zumindest seit 1900 ihren Wohnsitz unterhielten oder, vor 1900 dort wohnhaft, von deutschen Behörden ausgewiesen worden waren. Beide Länder unterhielten Informationskontore, die den Wählern Hilfestellung gaben und je nach Gesinnung Propaganda betrieben.
In beiden Ländern wurde mit allen Mitteln intensiver Wahlkampf betrieben, von dem sich die Wähler mitreißen ließen. Das Anschlagen von Plakaten und Auslegen von Flugschriften wurde straff organisiert. Der größte Teil der Propagandaarbeit lief unter Ausschluß der CIS in geheimen Sitzungen ab, wobei die dänische Organisation der deutschen ähnelte. Plakate, Flugblätter und Zeitungen wurden von CIS zensiert.

Die Abstimmungen vom 10. Februar und 14. März 1920

Am 10. Januar 1920 wurde Schleswig von einer internationalen Kommission übernommen und am 10. Februar fand die Abstimmung im Nordschleswig - Zone 1 - statt. Es wurden 75.431 dänische und 25.319 deutsche Stimme abgegeben. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 91,5%, wobei 74,2% für Dänemark stimmten. In der Zeit bis zur zweiten Wahl wurde die Propaganda nochmals auf beiden Seiten verstärkt. Die Abstimmung in Zone 2 fand einen Monat später am 14. März 1920 statt, wobei 51.724 deutsche und 12.800 dänische Stimmen abgegeben wurden. Hier lag die Wahlbeteiligung bei 90,75%, wobei 80,2% für Deutschland stimmten.  Im einzelnen wurden folgende Ergebnisse erzielt:

Abstimmungsergebnisse der ersten Zone


Abstimmungsergebnis der 2. Zone


In Nordschleswig gab es eine kleine deutsche Mehrzahl in Apenrade und Sonderborg und eine deutsche Mehrzahl in Tondern und Hojer. Der deutsche Wahlsieg in Zone 2 gab Anlaß zur Osterkrise. Gewisse dänische Kreise wünschten sich, den Abstimmungsergebnissen zum Trotz, daß Flensburg mit zu Dänemark gehöre und bekamen König Christian X. auf ihre Seite. Als die Radikalen der Regierung die Zahlen gaben, um Verhandlungen um den Status Flensburgs einzuleiten, entließ die Regierung sie ohne vorausgehenden Mißtrauensantrag in der Volksversammlung. Die Radikalen und die Sozialdemokratie bezeichneten dies als einen Bruch der Verfassung und die Gewerkschaften leiteten Generalstreiks ein. Der König mußte nachgeben und ersetzte das von ihm eingesetzte Vorrichtungsministerium unter Liebe, durch ein Sammlungsministerium unter Fries. Die Regierung unter Fries unterschrieb Nennwahlen, wobei die Radikalen große Verluste hinnehmen mußten und die unter Neirgaard an der Spitze Linken die Regierung bildeten. Aber wenig später wurde auch Neirgaard klar, daß Flensburg nicht zu Dänemark gehören könne und man gab die Sache auf.

Nach den Abstimmungen war es die Aufgabe der CIS einen Vorschlag zum zukünftigen Grenzverlauf zu machen. Die von dem deutschen Sachverständigen Johannes Tiedje unter Rückgriff auf frühere Überlegungen bereits am 11. Februar 1920 als nationale Ausgleichslinie skizzierte sogenannte Tiedje-Linie beachtete jedoch nur unzureichend die ungleichmäßige Verteilung der deutschen Stimmen im Tiedje-Gürtel. Bezüglich dieser Linie herrschte Uneinigkeit zwischen Deutschland und Dänemark. Sie sollte nördlich um Hoyer, Tondern, Rapstedt und Tingleff verlaufen und südlich von Gravenstein auf die Flensburger Förde treffen. Die Propagierung dieser Linie wurde auf deutscher Seite während des Abstimmungskampfes zur Stimmgewinnung für Deutschland genutzt. Im Mai 1920 wurde in Paris mehrheitlich die von der CIS als Grenzvorschlag unterbreitete Clausenlinie im Wesentlichen anerkannt, die weitgehend dem heutigen Grenzverlauf entspricht. Es war keine einfache Sache, eine Grenze durch ein Land ohne natürliche Grenze zu ziehen. Das Ergebnis waren u.a. durchgeschnittene Landeigentümer, wobei der Hof in dem einen Land und die Felder in dem anderem Lagen. Besonders geprägt wurde jedoch die Grenzsatzung durch Rudbal. Hier lief die Grenze direkt über die Straße des Dorfes, so daß die Leute auf der einen Seite deutsch und auf der anderen Seite dänisch wurden!!!

Die Wiedervereinigung der ersten Zone mit Dänemark

Das Gebiet der Zone 1 wird am 15. Juni 1920 von Dänemark übernommen. Am 10. Juli 1920 konnte König Christian X. auf seinem weißgescheckten Pferd über die alte Königsau-Grenze hinein ins neue dänische Südjütland.

Die Wiedervereinigung der zweiten Zone mit Deutschland

Am 15. Juni 1920 erlischt das Mandat der internationalen Kommission. Der Abzug der alliierten Truppen begann bereits am 14. Juni. Am 16. Juni wird die CIS unter großem Beifall der Bevölkerung aus Flensburg verabschiedet. Unter Volksfeststimmung werden der Flensburger Bürgermeister und die städtischen Repräsentanten, die nun wieder ihr Amt antreten dürfen, in Flensburg empfangen.

Die Politik der neuen dänischen Machthaber in Nordschleswig war nach der Wiedervereinigung weit weniger restriktiv als die der polnischen, tschechischen oder französischen Behörden. Den Deutschen in Schleswig wurde von Anfang an eine weitestgehende Autonomie eingeräumt, so etwa in bezug auf die Schulgesetzgebung und den Schutz der Muttersprache. Dennoch wollten die Nordschleswiger keine Dänen bleiben, die Forderung nach einer Grenzrevision wurde aktiv gefordert und gelebt. 1923 wurde das Staunig-Wels-Abkommen zwischen der dänischen und deutschen Sozialdemokratie, das eine beidseitige Anerkennung der bestehenden Grenzen, einen wirksamen Minderheitenschutz und die Verurteilung chauvinistischer Agitation fordert, abgeschlossen. In den Jahren 1924-1929 nimmt Schleswig-Holstein an der wirtschaftlichen Gesundung der Weimarer Republik teil; die Grenz- und Nationalitätenfrage beruhigt sich allmählich. Es wird zwar kein Minderheitenabkommen geschlossen, aber beide Seiten zeigen zunehmend Bereitschaft, die Minderheiten gerecht zu behandeln.

Quellen:

1.
Deutsches Historisches Museum, Berlin
2.
Nordschleswig und die Deutsche Volksgruppe
3.
“Nicht mehr bis an den Belt”, von Jochen Arp
4.
“Nordschleswig, Land am Belt - Ein europäisches Modell mit Vorbehalt”, von Arnold zur Linden

 


Zeppelin

Stand:
Februar  2002